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Was ist eine Fundamentalanalyse?

Grundlagen und Kennzahlen der Fundamentalanalyse

Die Fuandamentalanalyse untersucht im Gegensatz zur Chartanalyse (oder auch technische Analyse) die Kennzahlen des Unternehmens, das die Aktien emittiert hat. Man betrachtet also nicht die vergangenen Kurswerte und versucht daraus eine Prognose abzuleiten, sondern analysiert die betriebswirtschaftlichen Voraussetzungen eines Unternehmens. Einer der bekanntesten Verfechter der Fundamentalanlyse dürfte Warren Buffett sein - der wohl der erfolgreichste Investor aller Zeiten. Buffett war allerdings auch ein Student des "Vaters" der Fundamentalanalyse Benjamin Graham.

Kern der Lehre ist das, was eigentlich offensichtlich sein sollte, aber nur all zu oft nicht berücksichtigt wird: Man sollte dann eine Aktie kaufen, wenn diese am Markt unterbewertet ist. Die Kunst ist es nun herauszufinden, ob ein Unternehmen am Aktienmarkt vielleicht nicht korrekt bewertet ist und ob man davon ausgehen kann, dass sich der Kurs dahingehend entwickelt.

Die wichtigsten Kennzahlen der Fundamentalanalyse

Um den inneren Wert einer Aktie zu bestimmen hat Graham eine Reihe von Kennzahlen entwickelt, die der Fundamentalanalyse zu Grunde gelegt werden.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV (oder englisch Price-Earnings-Ratio (PER)) wird gebildet indem man den Kurs einer Aktie in Relation zum Gewinn der Aktie in einem Vergleichszeitraum bestimmt. Hierbei ist der Gewinn einer Aktie der Gesamtgewinn der Firma geteilt durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien.

KGV = Kurs einer Aktie / Gewinn je Aktie

Als Beispiel kann man rechnen, wenn der Kurs einer Aktie 100 EUR beträgt und im letzten Geschäftsjahr ein Gewinn von 5 EUR pro Aktie erzielt wurde ergibt sich also:

KGV = 100 / 5 = 20

Die Aktie wird derzeit an der Börse also mit dem Zwanzigfachen des Ergebnisses des letzten Geschäftsjahres bewertet. Je niedriger das KGV ist, umso preiswerter ist eine Aktie. Bei einem KGV über 40 spricht man i.d.R. von einer teuren bzw. potentiell überbewerteten Aktie.

Man muss sich das KGV nicht immer selbst ausrechnen. Man kann das KGV analog von Aktienwerten online einsehen.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Das KBV wird wird ähnliche dem Kurs-Gewinn-Verhältnis berechnet. Nur werden hier der Kurs einer Aktie nicht zum Gewinn, sondern zum Buchwert in Relation gesetzt. Der Buchwert meint in diesem Zusammenhang das Eigenkaptial je Aktie.

KBV = Kurs einer Aktie / Buchwert je Aktie

Als Beispiel: Hat ein Unternehmen Eigenkapital von 100 Mio. EUR ohne Fremdkapital und es sind 20 Mio. Aktien in Umlauf errechnet sich ein Buchwert von 5 EUR je Aktie. Bei einem aktuellen Aktienkurs von 7 EUR beträgt das KBV = 5 / 7 = 0,71

Eine Aktie ist umso preiswerter, je niedriger dieser Wert ist. Die Theorie ist, dass der angemessene Wert einer Aktie nahe dem Buchwert je Aktie ist.

Auch für den KBV findet man Daten online.

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Ein weiteres Verhältnis ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV). Dieser Indikator kann auch angewendet werden, wenn man das KGV z.B. wegen eines Verlustes nicht sinnvoll verwenden kann. Man muss allerdings beachten, dass es verschiedene Methoden gibt den Cashflow eines Unternehmens zu berechnen.

KCV = Kurs einer Aktie / Cashflow je Aktie

Man muss also zunächst den Cashflow je Aktie ermitteln. Meisten zieht man hierfür den operativen Cashflow, also den Cashflow aus Geschäftstätigkeit heran. Als Beispiel kann man rechnen: Gibt eine AG einen Cashflow aus Geschäftstätigkeit mit 500 Mio im Jahr an und es sind 20 Mio. Aktien emittiert ergibt sich ein Cashlow je Aktie von 25. Ist der aktuelle Börsenwet der Aktie 125 EUR ergibt sich also ein KCV = 125 / 25 = 5.

Je niedriger das KCV ist, umso preiswerter ist ein Unternehmen bewertet. Um ein tatsächliches Gefühl für die Bewertung zu bekommen, sollte man die KCV Werte verschiedener Unternehmen einer Branche vergleichen.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)

Das Kurs-Umsatz Verhältnis (KUV) setzt die aktuelle Marktkapitalisierung eines Unternehmens in Relation zum Jahresumsatz. Dieses Verhältnis kann angewendet werden bei Unternehmen, die keine Gewinne erwirtschaftet haben oder die aufgrund saisonaler Bedingungen gerade in einer Konjunkturdelle sind. Das KGV wäre hier also nicht anwendbar, da es keine Gewinne gibt.

KUV = Kurs einer Aktie / Umsatz je Aktie

Hierbei gilt, dass ein KUV unter 1 bei einem schon etabliertem Unternehmen als güstig gilt. Man kann das KUV auch verwenden, wenn bei dem Vergleich zweier unternehmen das KGV ähnlich ist. Hier kann dann das KUV den entscheidenden Unterschied liefern.

Weitere Kennzahlen

Weitere Kennzahlen, die nun aber hauptsächlich von Analysten genutzt werden, sind die Gesamtkapitalrendite und die Eigenkapitalquote. Bei der Gesamtkaptialrendite addiert man den Gewinn und den Zinsaufwand eines Unternehmens, um den tatsächlichen Gewinn zu erhalten. Im Anschluss wird der tatsächliche Gewinn durch das Gesamtkaptial geteilt. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert, um einen Porzentwert zu erhalten. Man spricht hier von der Effizinez des Unternehmens, da diese Zahl Auskunft darüber gibt, wie das Unternehmen vorhandenes Kaptial nutzt, um Gewinne zu erwirtschaften.

Die Eigenkapitalquote ist die Prozentzahl, die man erhält, wenn man das Eigenkaptial durch das Gesamtkapital teilt und mit 100 multipliziert. Man geht davon aus, dass je höher dieser Prozentsatz ist, umso stabiler ist ein Unternehmen finanziell aufgestellt und auch umso unabhängiger ist es von Fremdkapital, was ja potentiell mit Risiko behaftet sein kann.

Man sollte bei allen Verhältnissen und Kennzahlen immer brachenübliche Werte berücksichtigen, bzw. darauf achten, dass man nur Unternehmen der selben Branche mit diesen Zahlen vergleicht. Es sind viele Faktoren, die die einzelnen Werte beeinflussen und wenn man sich innerhalb einer Branche bewegt hat man eine relative Verlässlichkeit der Vergleichbarkeit der Werte.

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