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Kryptowährungen bewerten – Fundamentalanalyse bei Kryptowährungen

Wie kann man Kryptowährungen bewerten?

Kann man Kryptowährungen bewerten, ähnlich wie Aktien, mit einer Fundamentalanalyse, um eine möglichst gute Kaufentscheidung zu treffen? Eine Kryptowährung spiegelt keinen Unternehmenswert wieder und meistens ist auch kein Rohstoff oder sonstiger materieller Wert als Sicherheit hinterlegt. Eine klassische Fundamentalanyse ist hier also nicht möglich. Es darf auch bezweifelt werden, ob man mit einer Chartanalyse oder technischen Analyse Prognose treffen kann. Kryptowährungen sind hierfür i.d.R. viel zu volatil und es geschehen fast täglich Ereignisse, die in den aktuellen Kurs mit einfließen, die man so nicht vorhersehen konnte. Es werden häufig Börsen gehackt oder es greifen neue Regulierungen. Da Kryptowährungen auch über Grenzen hinweg gehandelt werden, können internationale Gesetzgebungen den Wert empfindlich stören. Dies ist in keiner Chartanalyse abbildbar.

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Dennoch gibt es auch bei Kryptowährungen ein paar Werte an denen man sich orientieren kann.

1. Technologie

Man sollte sich zunächst mit der verwendeten Technologie der gewünschten Kryptowährung etwas näher befassen. Nicht jede Währung verwendet das gleiche System, was die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Systeme nicht einfacher macht. Grob kann man unterscheiden zwischen Transactionchains, Blockchains und Smart Contracts. Diese Aufzählung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und es kommen derzeit fast täglich neue und eigene Methodiken hinzu.

Als Transactionchain werden hier Projekte, wie openchain.org bezeichnet. Die Transaktionen werden nicht durch die Community verifiziert, sondern vielmehr, wie bei herkömmlichen Transaktionen über eine zentrale Instanz. Unternehmen können diese Technologie nutzen, um Prozesse zu steuern und intern zu authentifizieren.

Auch Ripple sind eine Anwendung, die man als Transactionchain bezeichnen könnte. Es wird versucht die Kryptowährung lediglich als Container für anerkannte Fiat Währung zu verwenden, um internationale Überweisungen in Echtzeit zu gewährleisten.

Blockchains werden durch die Community bestätigt (mining) und in nicht veränderbaren Blocks gespeichert. Dies macht die Systeme zwar relativ sicher gegen Manipulationsversuche, bei massenhaften Transaktionen können die Blöcke aber auf eine nicht mehr effiziente Größe wachsen. Sicherlich sind Bitcoins die populärste Blockchain Währung.

Smart Contracts sind eine Weiterentwicklung der herkömmlichen Kryptowährungen. Während man mit den Kryptowährungen versucht Werte über die Blockchain zu transferieren, bzw. die einzelnen Coins selbst einen Wert darstellen sollen, so können innerhalb von Smart Contracts beliebige Daten und Bedingungen abgelegt werden. So können z.B. Verträge automatisiert ausgeführt werden, wenn bestimmte Bedingungen zunächst erfüllt wurden. Prominentestes Beispiel für Smart Contracts ist Ethereum.

Es gibt noch weitere und durchaus sehr verschiedene Ansätze, die die einzelnen Systeme ständig weiterentwickeln. Bevor man sich für den Kauf entscheidet, sollte man sich also mit dem Sinn und dem Zweck einer Kryptowährung auseinander setzen. Nur wenn die Anwendung zukunftsorietiert ist, kann man davon ausgehen, dass die entsprechende Währung ebenfalls eine Zukunft und eine positive Entwicklung vor sich hat.

 

2. Marktkapitalisierung

Unter der Marktkapitalisierung einer Kryptowährung versteht man die Gesamtzahl der Kryptowährung mulitpliziert mit dem Wert der einzelnen Einheit. Je größer die Marktkapitalisierung ist, umso anerkannter könnte die Währung sein. Allerdings sollte man sicher hierbei auch darüber bewusst sein, dass dieser Wert manipuliert sein kann. Gerade der Reiz, den Kryptowährungen durch das dezentrale System haben, kann hierbei auch ein Nachteil sein. Verteilen sich große Mengen einer Kryptowährung auf nur wenige Personen, haben diese die Möglichkeit den Kurs in Ihrem Sinne zu beeinflussen. Sprechen sich Akteure sogar untereinander ab können Kurse gezielt manipuliert werden. Dennoch ist eine Währung mit einer zu geringen Marktkapitalisierung eher zu meiden, da hier extreme Volatilität vorkommen kann und es nicht unwahrscheinlich ist, dass der Wert komplett verloren geht, da die Währung sich ggf. nicht durchsetzen wird.

3. Liquidität

Als Liquidität bezeichnet man bei Kryptowährungen i.d.R. die Gesamtzahl der gehandelten Einheiten. Wird eine Währung auf vielen Marktplätzen oft gehandelt verfügt sie über eine hohe Liquidität. Dies kann ähnlich wie bei der Marktkapitalisierung eine Auskunft darüber geben, wie hoch die Akzeptanz einer Kryptowährung ist. Je mehr Marktplätze und handelnde Akteure involviert sind, umso stabiler und anerkannter kann eine Währung sein. Hat eine Währung eine sehr geringe Liquidität heißt das im Umkehrschluss, dass es ein großes Risiko gibt, dass diese Währung sich nicht durchsetzt und ihren Wert u.U. komplett verlieren wird.

4. Aktivität der Entwickler

Manche Plattformen, wie z.B. coingecko.com screenen die Entwicklung der Quellcode Repositories (Verzeichnisse) nach Aktivität, um festzustellen, ob an bestimmten Währungen noch entwickelt wird. Es ist sehr einfach geworden eine eigene Kryptowährung zu veröffentlichen und so gibt es nun unzählige Währungen, die aber dann brach liegen und nicht weiterentwickelt werden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich diese Währungen künftig positiv entwickeln werden. Viel mehr ist dann anzunehmen, dass jemand das schnelle Geld machen wollte, indem eine eigene Währung veröffentlich wird, um den offensichtlichen Hype auszunutzen. Ohne Pflege, Wartung und Weiterentwicklung wird eine Währung aber kaum dauerhaft bestehen können.

Es gibt noch weitere Versuche Kryptowährungen zu bewerten, wir beschränken uns aber hier auf die vier oben genannten als Eckpfeiler für die erste Einschätzung einer Währung. Was man immer bedenken sollte ist, dass eben kein entsprechender Wert solchen Währungen zu Grunde liegt. Es kann also durchaus sein, dass eine Währung von einem Tag auf den anderen sofort und komplett ihren Wert verliert. Man hat keine Einlagensicherung und auch keinerlei Rechte, wie z.B. Aktionäre einer Firma. Insofern können diese Eckpfeiler nur der Versuch einer Bewertung sein. Eine tatsächliche Bewertung geschieht in Echtzeit auf den Marktplätzen. Da die Materie durchaus komplex ist und man eventuell bei manchen Währungen die Technologie nicht abschließend abschätzen kann, sollte einem das Risiko beim Handeln mit diesen Währungen immer gegenwärtig sein.

Wir empfehelen weiterhin für den Vermögensaufbau den Handel mit Aktien.