Aktien101

Chartanalyse

Chartanalyse - Anwendungen und Grenzen

Wenn man sich nur ein wenig mit Aktien und Derivaten und deren Entwicklung beschäftigt, stößt man sehr schnell auf die Chartanalyse, die auch als technische Analyse bezeichnet wird. Die Chartanalyse betrachtet den Kursverlauf und versucht anhand wiederkehrender Muster einen Trend für die zukünfitge Entwicklung eines Kurses abzuleiten. Sie hat somit eine andere Betrachtungsweise, als die Fundamentalanalyse, die nicht den Kursverlauf betrachtet, sondern den Preis eines Wertpapiers anhand von betriebswirtschaftlichen Daten und dem ökonomischen Umfeld eines Unternehmens bestimmen möchte. Die Fundamentalanalyse kann somit aber nur bei Unternehmenswerten angewendet werden. Im Forex Handel z.B. stößt die Fundamentalanalyse an ihre Grenzen, da nicht alle Faktoren, die bei der Preisbildung einer Währung beteiligt sind betrachtet werden können, bzw. auch wichtige Daten erst nach der Preisbildung bekannt werden.

Anzeige



Allerdings hat die Chartanalyse auch Kritiker. So ist bis heute nicht wissenschaftlich belegt, dass zwischen der Chartanalyse und der zu erwartenden Rendite ein Zusammenhang besteht. Auch führen oft Überraschungen, also unvorhergesehende Ereignisse, zu starken Kursschwankungen. Diese Ereignisse können natürlich weder die Chartanalyse, noch die Fundamentalanalyse vorhersehen. Eine Möglichkeit die Zukunft zu sehen, hat die Menschheit bekanntlich noch nicht entdeckt. Somit kann man beide Analysen als Hilfsmittel betrachten, absolute Zuverlässigkeit gibt es in einem dynamischen Markt aber schlicht und einfach nicht.

Die Chartanalyse geht zurück auf Charles Dow, der ebenfalls der Erfinder des Dow Jones ist, welcher heute einer der wichtigsten Indizies weltweit ist und jedem bekannt sein sollte.

Hier sind die sechs wichtigsten Aussagen der Dow Theorie:

1. Der Markt hat drei Bewegungen

Die "Hauptbewegung", primäre Bewegung oder die Haupttendenz kann weniger als ein Jahr oder mehrere Jahre anhalten. Sie ist eine langfristige Tendenz. Diese kann bullisch (steigende Werte) oder bärisch (sinkende Werte) sein.

Die "mittlere Bewegung", sekundäre Bewegung oder mittelfristige Reaktion kann zehn Tage oder drei Monate dauern und bewegt sich zwischen 33% bis 66% der vorhergehenden sekundären Preisänderung oder ab dem Start der Haupttendenz.

Die "kurze Bewegung" oder untergeordnete Tendenz erstreckt sich über wenige Stunden bis zu einem Monat oder mehr.

Alle Bewegungen können zur gleichen Zeit auftreten, z.B. kann eine tägliche untergeordnete Tendenz in einer bärischen mittleren Bewegung stattfinden, während sich die primäre Bewegung bullisch zeigt. Es kommt hier also auch immer auf die Zeit an, unter der eine Tendenz betrachtet wird.

2. Markttrends haben drei Phasen

Nach Dow unterteilen sich primäre Bewegungen oder Hautptrends in drei Phasen. In der "Akkumulationsphase", oder Phase 1, kaufen und verkaufen professionelle Investoren, die gut informiert sind, gegen die allgemeine Auffassung des Marktes. In dieser Phase gibt es keine großen Kursbewegungen, da diese Spezialisten nicht den Hauptanteil der handelnden Akteure darstellen. In der Phase 2 gleicht sich der Markt den Handlungen dieser Investoren an, da nun andere Teilnehmer dem Vorbild dieser Investoren folgen. Nun können auch heftige Kursbewegungen auftreten. Es folgt die Phase 3, die durch wilde Spekulationen gekennzeichnet ist. Die cleveren Investoren stoßen ihre Anteile nun ab.

 

3. Der Aktienmarkt berücksichtigt alle Nachrichten

Die Preise auf dem Aktienmarkt beziehen schnell Nachrichten ein, sobald neue Informationen verfügbar sind. Sobald eine neue Nachricht herausgegeben wird, verändern sich die Kurse am Aktienmarkt, um diesen neuen Informationsstand abzubilden. Hier stimmt die Theorie von Dow mit der Markteffizienzhypothese überein, die besagt, dass die Finanzmärkte in den Preisen bereits alle verfügbaren Informationen abbilden, was auch dazu führt, dass man durch technische Analyse oder Fundamentalanalyse keine Vorteile im Handel hat, da man dadurch keine neuen Informationen erhält.

4. Indizes (Mittelwerte mehrere Aktien) müssen sich gegenseitig bestätigen

Zu Zeiten Dows war die Bahn das Haupttransportmittel im Güterverkehr für die USA. Aus diesem Grund ist er der Annahme gewesen, dass ein Trend nur dann als gesichert galt, wenn die Indizes der Industrie, mit den Indizes der Bahn übereinstimmen. Zeigen die Trends in verschiedene Richtungen ist das ein Warnsignal.

Im übertragenen Sinne kann man sagen, dass man um einen Trend zu erkennen sich auch die damit korrelierenden Märkte betrachten muss. Zeigen die Inidzes in die gleiche Richtung wird ein Trend bestätigt, gibt es Abweichungen könnten mögliche Krisen bevorstehen.

5. Trends werden durch das Marktvolumen bestätigt

Nach Dow werden Preistrends durch das gehandelte Volumen bestätigt. Werden nur wenige Stückzahlen einer Aktie gehandelt, können starke Schwankungen im Preis von vielen Faktoren abhängen, die man schlecht einbeziehen kann. Doch werden Preisänderungen auf hohen Stückzahlen erzielt, ist dies nach Dow der "echte" Blick auf den Markt. Wenn viele Marktteilnehmer, welche ja individuell für sich nach einer gewissen Sicherheit handeln, den Marktpreis in eine bestimmte Richtung treiben, dann ist auch die künftige Entwicklung in der gleichen Richtung zu sehen. Ein Trend ist im entstehen.

6. Trends bestehen, bis eindeutige Signale beweisen, dass diese vorüber sind

Dow glaubte daran, dass neben den Trends ein gewisses "Rauschen" am Markt besteht. Märkte können sich kurzfristig gegen den Trend entwickeln, werden aber bald wieder dem eigentlichen Haupttrend folgen. Hier sollte man dem Trend immer den Vorzug gegenüber den spontanen Zweifeln geben. Allerdings ist es nicht einfach zu bestimmen, ob es sich gerade nur um ein kleines "Marktrauschen" handelt oder ob bereits eine Trendwende stattgefunden hat. Um dies zu bestimmen kommt die technische Analyse wieder ins Spiel.